Lenne Steinbeck

Beratung & Entwicklung

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Consulting & Development

FRAGEN AN LENNE STEINBECK

von Susann Amir Moazami (Systemische Coach und Wirtschaftsmediatorin, Supervisorin)

Frage: Hey Lenne, was für ein schöner Name. Wie kam es zu der Namensänderung und zu dem neuen Vornamen?

Danke für das Kompliment! Die Entscheidung für die Änderung meines Namens war ein bedeutender Schritt auf meinem Weg der Selbstfindung. „Lenne“ ist für mich weit mehr als nur ein Name – er ist Ausdruck meiner Identität, eine Quelle der Kraft und Inspiration.

Nach meinem Coming-out als lesbische Frau wurde mir schnell klar, dass meine Reise zu mir selbst damit nicht abgeschlossen war – im Gegenteil, sie begann gerade erst. Über die Jahre habe ich mich zunehmend als non-binär identifiziert, auch wenn mir lange die passenden Worte dafür fehlten. Die offizielle Namensänderung, die mit meinem Eintrag als „divers“ einhergeht, ist daher ein wichtiger Schritt, um mein authentisches Selbst voll und ganz anzunehmen und sichtbar zu machen.

Dank des neuen Gleichstellungsgesetzes kann ich meine Identität nun auch rechtlich anerkennen lassen – ein Moment, der für mich von großer Bedeutung ist. Dabei warst auch du eine wichtige Begleiterin auf diesem Weg, und dafür bin ich dir sehr dankbar! Ohne die Unterstützung meiner Freund*innen und anderer wichtiger Begleiter*innen wäre dieser Schritt nicht so kraftvoll und bestärkend gewesen. Ihr habt mir geholfen, meine Identität nicht nur zu finden, sondern sie auch frei und selbstbewusst zu leben.

Frage: Danke Lenne, ich freue mich auch mit dir! In den letzten Jahren hast du dich beruflich weiterentwickelt. U.a. hast du eine Mediationsausbildung abgeschlossen. Was hat dich dazu veranlasst und wie hast du die Weiterbildung erlebt?

In meiner Tätigkeit als Berater*in bin ich immer häufiger mit Konfliktmoderation in Berührung gekommen. Gleichzeitig interessiere ich mich schon lange für die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg – eine Methode, die Klarheit, Vertrauen und Freude in die zwischenmenschliche Kommunikation bringt und so dazu beiträgt, Konflikte nachhaltig zu lösen. Ich wollte mein Wissen in diesem Bereich vertiefen, weil ich fest davon überzeugt bin, dass der bewusste Ausdruck von Gefühlen und Bedürfnissen eine wesentliche Grundlage für Kooperation und echte Win-Win-Lösungen sein kann.

Meine Ausbildung an der Schule für Verständigung und Mediation Steyerberg war eine unglaublich bereichernde Erfahrung. Meine Ausbilder*innen sind wahre Expert*innen auf diesem Gebiet, und die gesamte Weiterbildung habe ich als intensiven, facettenreichen Gruppenprozess erlebt. Heute fühle ich mich mit einer Vielzahl an Techniken und Methoden ausgestattet, um komplexe Auseinandersetzungen und Konflikte professionell zu begleiten und neue Perspektiven aufzuzeigen.

Gerade in einer Zeit, in der Sprache oft von Härte und Gewalt geprägt ist, hat mir diese Ausbildung geholfen, bewusster zu kommunizieren. Ich kann Gespräche gezielt deeskalieren, friedlich führen und dabei Menschen unterstützen, einander wirklich zu verstehen.

Frage: Ich finde es spannend, dass du dich jetzt auch beruflich intensiv mit Diskriminierungsthemen befasst und dich hier engagierst. Was bedeutet das für dich, und was sind deine wichtigsten Erfahrungen und Erkenntnisse?

Durch meine langjährige, auch internationale Tätigkeit als Manager*in großer Events und Projekte, meine Arbeit als Coach und Berater*in sowie meine persönlichen Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung habe ich ein tiefes Bewusstsein für die Bedeutung von Achtsamkeit und Respekt im Umgang miteinander entwickelt. Im Herzen bin ich eine „Awareness-Spezialistin“ – stets offen für unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Meinungen. Gleichzeitig leben wir in einer Gesellschaft, die von ungleichen Machtverhältnissen geprägt ist, in der Menschen aufgrund bestimmter Merkmale systematisch bevorteilt oder benachteiligt werden. Während die Antidiskriminierungspolitik in Deutschland hinter den EU-Standards zurückbleibt, erleben wir leider auch, dass Diskriminierung wieder offener und ungehemmter stattfindet.

Besonders inspirierende Momente waren für mich die Zusammenarbeit mit Special Olympics Deutschland und dem Berliner Senat. Anlässlich der Special Olympics Weltspiele und der Fußball-Europameisterschaft wurden gezielt Antidiskriminierungsprogramme entwickelt, und ich hatte die Gelegenheit, aktiv mitzuwirken und Teile der Umsetzung zu koordinieren. Besonders zur Fußball-EM haben wir mit einem Pilotprojekt auf den Fanmeilen in Berlin gearbeitet, in dem Awareness-Teams präventiv vor Ort Im Einsatz waren und Betroffene von Diskriminierungsvorfällen unterstützen haben. Es ist ermutigend zu sehen, dass Awareness-Konzepte, die ursprünglich in der Clubszene entstanden sind, nun auch im Sport- und Veranstaltungsbereich zunehmend zum Standard gehören – ein Bereich, in dem ich mich weiterhin stark engagieren werde.

Darüber hinaus habe ich mich fachlich auf Workshops und Trainings zu Diskriminierungsthemen und sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz spezialisiert. Dabei wird mir immer deutlicher, dass viele Organisationen hier Nachholbedarf haben und gezielt Unterstützung suchen. Es ist eine herausfordernde, aber wahrlich sinnstiftende Tätigkeit. Ich bin überzeugt, dass bewusste, nachhaltige Veränderung möglich ist.